Max Verstappen konnte mit einem unangefochtenem Start-Ziel-Sieg das Rennen in Spanien gewinnen. Lewis Hamilton und George Russell konnten mit dem Mercedes W14 in der B-Spezifikation das erste Doppel-Podium der Saison für das Team einfahren. Es scheint so, als wenn das Update von Mercedes – zumindest bei kühleren Temperaturen – funktionieren würde. Red Bull ist jedoch nicht zufrieden mit dem Ergebnis des Rennens und hinterfragt den Podestplatz von Russell. Sie sind der Meinung, George Russell sei nur auf dem Podium gelandet, weil er die erste Kurvenkombination in Runde 1 abgekürzt habe. Sergio Perez sei demnach unverdient auf dem vierten Platz im spanischen Katalonien gelandet.
Doch hat Red Bull Recht oder gibt es noch andere Faktoren im Zweikampf um das Podium zwischen George Russell und Sergio Perez?
Die Ausgangslage
Beim Qualifying am Samstag haben weder Russell noch Perez den Sprung in das letzte Qualifying-Segment geschafft. Während Mercedes in der aktuellen Saison kein besonders schnelles Auto auf eine Runde hat, verlor Perez auf einer immer schneller werdenden Strecke im zweiten Versuch das Auto und landete im Kiesbett. So startete er nur von Platz 11 in das Rennen. George Russell im Mercedes eine Position dahinter.
Die Causa Russell und seine Abkürzung
Mit Ausnahme von Red Bull startete quasi das komplette Fahrerfeld mit dem weicheren Soft-Reifen in das Rennen. Sergio Perez begann ebenso wie Max Verstappen mit den Medium-Reifen das Rennen. Den Grip-Unterschied merkte Perez sofort, als er von Russell am Start direkt ausbeschleunigt wurde. Bei der Gelegenheit überholte der Engländer auch noch Pierre Gasly und ging auf Position zehn liegend in die erste Kurve. Dort positionierte sich Russell auf der Außenbahn und war zusammen mit Oscar Piastri und Nico Hülkenberg zu dritt in der Kurve. Um eine mögliche Kollision zu vermeiden, wich Russel auf die asphaltierte Auslaufzone aus und nahm den Notausgang. Nach dem Einfädeln zurück auf der Strecke war George Russell hinter Hülkenberg und vor Pastri auf Platz neun.

Das Verhalten von Russell in der Startphase machte Red Bull wütend. Direkt nach Zieleinfahrt fluchte Perez: „Russell hat das Podium bekommen, weil er in der ersten Kurve abgekürzt hat“. Ebenfalls Red-Bull-Teamchef Christian Horner kritisierte im Gespräch bei Sky UK mit Nico Rosberg, dass der Mercedes-Pilot ohne Strafe davongekommen ist.
Betrachten wir einmal das genaue Regelwerk in diesem Zusammenhang. In Artikel 33.3 im sportlichen Reglement heißt es: „Should a car leave the track the driver may re-join, however, this may only be done when it is safe to do so and without gaining any lasting advantage“. Zusätzlich wurde das genaue Prozedere nach dem Verlassen der Strecke in Kurve eins für das Spanien-Rennen in den Race Director’s Event Notes festgelegt: „Any driver going with 4 wheels to the left of the LHS [left-hand side] track limit white line at Turn 1 and Turn 2, may only rejoin the track at Turn 3 if the car passes to the LHS of the two bollards at the entry of Turn 3“.
George Russell hat sich demnach genau an das festgelegte Prozedere des Renndirektors gehalten. Um eine mögliche Kollision mit Hülkenberg und Piastri zu vermeiden, hat Russell mit allen vier Reifen die Strecke verlassen, ist dann den vorgeschriebenen Weg gefahren und hat sich sicher nach dem Poller eingeordnet.
Die Vorwürfe von Red Bull gegen Mercedes sind klar. Russell habe einen Vorteil durch das Abkürzen gehabt. Der Fall wurde zwar von den Stewards notiert, aber ein Bedarf an weiteren Untersuchungen wurde nicht festgestellt. George Russell kam ohne Strafe davon. Ohnehin ist die Frage, wofür eine angemessene Strafe hätte ausgesprochen werden sollen. Kleinkariert könnte die Argumentation sein, dass der Mercedes-Fahrer zurückziehen hätte müssen und so nicht die Position gegen Oscar Piastri hätte gewinnen können. Nichtdestotrotz wäre Russell auch ohne Verlassen der Strecke in der besseren Position in Kurve 2 gegen Piastri gewesen und der Umstand, dass es sich um Startphase des Rennens handelte, begründet, warum keine Strafe ausgesprochen werden musste.
Meiner Meinung nach war es die richtige Entscheidung keine Strafe auszusprechen. Die Rennleitung und Stewarts sollten nur in Ausnahmesituationen in das Renngeschehen aktiv eingreifen und so den Ausgang des Rennens beeinflussen. Die Let-Them-Race-Mentalität sollte wieder einen höheren Stellwert in der Formel 1 erlangen. Am Ende ist keiner zufrieden, wenn das sportliche Ergebnis am oft zitierten „Grünen Tisch“ entschieden wird.
Die Aufholjagd des Mexikaners
Während Georg Russell in der ersten Runde fünf Positionen gewinnen konnte, verteidigte Perez lediglich seinen Startplatz 11 in der ersten Runde. Imaginär hat er sogar eine Position an Russell verloren und nur durch den frühen Boxenstopp von Norris seine Position halten können. Von Position 7 ging es für George Russell innerhalb von 17 Runden bis auf den dritten Platz nach vorne. Ab Runde 20 war Sergio Perez dann sein direkter Verfolger auf Platz vier. Der Abstand der zwei Fahrer betrug bis zum ersten Pit-Stopp recht konstant immer acht Sekunden.
Nach dieser Milchmädchenrechnung hätte selbst eine ausgesprochene Fünf-Sekunden-Strafe gegen George Russell für das „Abkürzen“ keine Konsequenz für Perez gehabt.
Zusätzlich konnte der Brite durch den früheren Pit-Stopp in Runde 25 insgesamt sechs Sekunden auf den Mexikaner gewinnen. Dieser ist erst in Runde 28 an die Box gekommen und kam danach sogar noch im Verkehr raus. Trotz der härteren Reifenmischung und den Überholmanövern gelang es Perez bis zum zweiten Boxenstopp den Abstand um vier Sekunden zu kürzen. Diese auf der Strecke gewonnenen Zeit verlor Perez jedoch wieder, weil er wieder durch den früheren Reifenwechsel von George Russell vier Sekunden verloren hatte. In den letzten Stint ging Perez mit gleichen Soft-Reifen wie Russell und 12 Sekunden Abstand. In den 16 Runden bis zum Ende des Rennens konnte Perez den Abstand um neun Sekunden verringern und kam mit 3,4 Sekunden Abstand zu George Russell ins Ziel.
Das Podium am Start verloren?
Nach dem Rennen war Red Bull der Meinung sie hätten das Podium am Start verloren. Betrachtet man die Daten, so muss festgehalten werden, dass Perez nicht am Start eine Podiumsplatzierung verloren hatte, sondern durch die früheren Boxenstopps von Russell. Über das ganze Rennen hat Perez so zehn Sekunden auf Russel einbüßen müssen. Zwar konnte der Red-Bull-Fahrer im zweiten und dritten Stint den Abstand um insgesamt 12 Sekunden verringern, aber am Ende reichten nicht die Runden aus, um den Rückstand wieder aufzuholen. Wenn Red Bull nicht so zögerlich auf die Boxenstopps von Mercedes reagiert hätte, hätten sie aus zwei Gründen dieses Problem nicht gehabt. Zum einen wäre der aufzuholende Abstand zu Russell nicht so groß gewesen, zum anderen hätte man den letzten Stint auf Soft-Reifen verlängern können. Fernando Alonso und George Russell haben es mit dem weichen Reifen vorgemacht. Sie konnten insgesamt 25 Runden am Stück mit der weichen Reifenmischung fahren. Perez und Red Bull haben sich dahingegen nur 16 Runden auf dem roten Reifen getraut. Unterm Strich hätte Perez mit einer aggressiveren Strategie mehr Runden gehabt, um einen kleineren Abstand zu Russell aufzuholen.
Nichtdestotrotz wäre der Ausgang des Rennens vermutlich ein anderer gewesen, wenn Perez sich nicht direkt am Start vom Mercedes Konkurrenten hätte überholen lassen. Von der reinen Renn-Pace war der Red-Bull-Pilot trotz der konservativen Reifenwahl der schnellere von den beiden.
Wo sollte er denn fahren ,,russell
Er hatte eine Kollision vermeiden wollen
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