Beim zwölften Rennsieg in Folge für Red Bull überrascht es niemanden, dass Max Verstappen den Grand-Prix in Budapest vor Lando Norris und Perez gewonnen hat. Der Niederländer führt nun die Fahrermeisterschaft mit 110 Punkten an. Spannender als die dominierende Führung von Verstappen ist das Comeback von Daniel Ricciardo gewesen. Doch wie hat sich der Australier in seinem ersten Rennen für Alpha Tauri geschlagen und was ist bei Ferrari wieder alles falsch gelaufen.
Keine Spur von F1-Rente

Selten war Alpha Tauri so sehr im Mittelpunkt der Berichterstattung wie beim Ungarn-GP. Die sportliche Erfolge des Teams in der Vergangenheit haben zumindest keinen Anlass dafür gegeben. Yuki Tsunoda und Niyck de Vries haben erst zwei WM-Punkte in der laufenden Saison erfahren. Mit dem Rausschmiss des Niederländers und dem zeitgleichen Zurückholen von Daniel Ricciardo aus seiner verfrühten F1-Rente waren hohe Erwartungen geknüpft.
Die Begründung für den Rausschmiss von Nyck de Vries war, dass er konstant über die Saison etwa drei Zehntelsekunden langsamer war als sein Teamkollege. Dementsprechend wird von Ricciardo erwartet, dass er mindestens mit dem Japaner mithalten kann.
Bereits beim Qualifying am Samstag war zu erkennen, dass Ricciardo das Fahren nicht verlernt hat. Yuki Tsunuda ist bereits im Q1 ausgeschieden. Ricciardo ist dreizehn Tausendstels schneller gefahren als sein Teamkollege und damit in das zweite Qualifyingsegment eingezogen. Damit hat Ricciardo beim ersten Qualifying für seinen neuen Rennstall bereits seinen Teamkollegen geschlagen. Dies gelang de Vries dieses Jahr bisher nur in Miami und in Barcelona.
Von Platz 13 in das Rennen gestartet fiel der neue Alpha Tauri nach dem Start an das Ende des Feldes, weil Zhou Guanyu sich auf die Anfahrt auf die erste Kurve verbremst hatte und Ricciardo in das Heck fuhr. Der wiederum ist unverschuldet in die beiden Alpine gerutscht und so an das Ende des Feldes geraten. Von dort an startete er eine Aufholjagd bis in Runde 18, wo er das erste Mal in die Boxengasse fuhr. Mit den Medium-Reifen am Start fuhr er einen der längsten Stints im Fahrerfeld. Bis zum ersten Stopp war er auf Position neun vorgefahren und wechselte dann auf die harte Mischung. Dann ist Ricciardo elf Runden mit diesem Reifen gefahren. Kein anderer Fahrer ist so wenige Runden während des Rennens mit diesem Compound gefahren wie er. In Runde 29 wechselte der Australier wieder seine Reifenmischung und fuhr mit gelben Pneus mehr als die Hälfte der Renndistanz bis ins Ziel. Dabei schaffte er es nicht nur schafft bei Streckentemperaturen von fast 50 Grad Celsius den Reifen am Leben zu halten, sondern hat dabei auch noch Zeit auf seine Konkurrenten herauszufahren können, sodass diese noch ihren Boxenstopps hinter den Alpha-Tauri-Piloten fielen.
Am Ende landete Daniel Ricciardo nach einem fehlerfreien Wochenende auf Platz 13 vor seinem Teamkollegen. Auch dies gelang Nyck de Vries im bisherigen Verlauf der Saison nur zweimal. Nach dem Rennen lobte der Australier die gute Race Pace des Autos und war froh, dass er das physisch anstrengte Rennen ohne Probleme überstehen konnte.
Wichtig für die weitere Karriere von Ricciardo wird es sein, diesen Trend in den nächsten Rennen fortzusetzten und Yuki Tsunoda klar zu dominieren. Andernfalls hat er bei de Vries gesehen, wie schnell er wieder in der F1-Rente ist.
Fehlerteufel bei Ferrari

Die Liste der enttäuschenden Rennen bei Ferrari wird immer länger. Das diesjährige Budapest-Wochenende gehört sicherlich dazu. Dabei zeigte das Rennen am Hungaroring, dass das Team aus Maranello nur noch vierte Kraft hinter Red Bull, McLaren und Mercedes ist. Betrachtet man die Race Pace von Leclerc, Hamilton und Norris während des zweiten Stints auf harten Reifen, ist der Ferrari-Pilot deutlich am langsamsten. Leclerc hatte eine durchschnittliche Rundenzeit von 1:24.6. Norris und Hamilton waren pro Runde durchschnittlich eine halbe Sekunde schneller als der Ferrari-Fahrer.
Dabei ist nicht nur die eigentliche Renn-Pace von Ferrari das Problem, sondern viele Fehler wiederholen sich immer wieder. Das Rennen von Leclerc beim Ungarn-GP ist das beste Beispiel. Kurz vor dem Rennstart wurde festgestellt, dass der Trinkschlauch beim Monegassen zu kurz war, sodass er über das anstrengende Rennen nichts trinken kann.
Außerdem hat der Teamfunk wieder Mals nicht fehlerfrei funktioniert. Dieses Problem hat Ferrari nun seit mehreren Rennen. Zudem der neun Sekunden Boxenstopp und die Fünf-Sekunden-Strafe, nachdem Charles Leclerc zu schnell in die Pitlane gefahren ist.
All diese kleinen und großen Probleme zeigen auf, dass das Ferrari-Team alles andere als fehlerfrei funktioniert – auch unter neuer Führung von Frederic Vasseur. Darüber hinaus sind die Aussichten auf Besserung eher gering. Im Interview nach dem Rennen wirkte Leclerc designiert. Aktuell sei das Team nicht mal in der Lage zu antizipieren, wo sie nächstes Wochenende in Belgien sich platzieren werden. Diese Ungewissheit allein zeigt, dass die Mannschaft den SF-23 nicht versteht und so nur schwer an der Race Pace arbeiten kann. Wenn sich zu langsamen Pace weitere Fehler in den nächsten Rennen einschleichen, läuft Ferrari sogar Gefahr gänzlich aus den Punkterängen zu fallen.