Trockener Start, leichter Regen, dann wieder trocken, am Ende sinnflutartiger Regen mit Rot-Unterbrechung und ein Schluss-Sprint in feuchten Bedingungen. Die Meteorologen hatten beim Zandvoort-Grand-Prix alle Hände voll zu tun. Der historische neunte Sieg in Folge von Max Verstappen vor Fernando Alonso und Pierre Gasly war kein Selbstläufer, sondern ein hartes Stück Arbeit.
Die Ruhe von Max macht den Unterschied
In gewohnter Weltmeister-Manier starte Verstappen sein Heimrennen von der Pole-Position aus. Teamkollege Perez lediglich nur von Platz sieben. Der Holländer konnte den Start für sich behaupten und er führte das Fahrerfeld an, als der angekündigte Regen in der ersten Runde kam. Das Team von Verstappen hat sich dazu entschieden seine Track-Position zu halten und dafür Perez für Intermediates an die Box zu holen. Max kam eine Runde später zum notwendigen Reifenwechsel an die Boxengasse. Auf der mittlerweile nassen Strecke hat Sergio Perez mit seinen Reifen für nasse Bedingungen im Vergleich zu Verstappen auf Trockenreifen in dieser einen Runde über 20 Sekunden aufgeholt. Am Ende der dritten Runde, als sich das Fahrerfeld sortiert hatte, betrug der Abstand der beiden Red-Bull-Piloten fast 15 Sekunden – zugunsten des in der Fahrermeisterschaft auf Platz zwei liegenden Perez. Diese Führungsposition konnte Sergio Perez jedoch nicht besonders lange behaupten. Bereits in Runde 13 musste er sie wieder chancenlos an seinen Teamkollegen abgeben. Der Grund: In der ersten nassen Phase zu Beginn des Rennens war Verstappen in der Lage Rundenzeit zwischen 1:22.1 und 1:23.7 zufahren. Perez war mit seinen Zeiten zwischen 1:24.1 und 1:26.3 im Schnitt 1,5 Sekunden langsamer pro Runde. In Runde 7 verlor der Mexikaner an führender Position mit freier Sicht 4,2 Sekunden an Max Verstappen. Dabei war kein direkter Fahrfehler von Perez der Grund, sondern die insgesamt langsame Pace des Mexikaners. Betrachtet man das Diagramm, so holt Verstappen (Weißer Graph) in Runde 7 konstant die 4,2 Sekunden auf Perez (Blaue Abszisse) auf.

Teilweise war der amtierende Weltmeister in der Kurvensektionen nach Kurve drei 30km/h schneller als sein Teamkollege.
Bei dieser Dominanz wundert es nicht, dass Red Bull den teaminternen Undercut von Verstappen gegen Perez beim Wechsel auf die Trockenreifen durchgeführt hat. In der trockenen Phase des Rennens behält Max die Ruhe und ist im Durchschnitt zwei bis fünf Zehntelsekunden schneller im Red-Bull-Vergleich zu Perez. Als es gegen Runde 60 wieder angefangen hat zu regnen, hält Max Verstappen im Vergleich zu seinem Teamkollegen nicht nur das Auto auf der Strecke, sondern ist dabei auch noch signifikant schneller. Durch diesen Vorsprung konnte der WM-Führende auch nochmal an die Box gehen, um sich die Full-Wets abzuholen ohne eine Position zu Verlieren. Perez wurde von Red Bull in der gleichen Runde wie Max an die Box gerufen und wäre ohne die Rot-Unterbrechung ausgelöst von Zhou Guanyu auf Platz sechs zurückgefallen. Zusätzlich ist Perez bei der Einfahrt in die Boxengasse noch in die Mauer gefahren und dadurch zu schnell in die Pitlane gefahren. Es folgte eine Fünf-Sekunden-Strafe und der Verlust des Podiums.
Max behielt im Regenchaos vor hunderttausenden heimischen Fans die Nerven und konnte den Re-Start für sich entscheiden und am Ende mehr als verdient den neunten Sieg in Folge feiern.
Betrachtet man die wagen Aussagen von Dr. Helmut Marko bezüglich der Zukunft von Sergio Perez im Red-Bull-Team, darf ein großes Fragezeichen gesetzt werden, ob der Mexikaner 2024 noch an der Seite vom Ausnahmetalent Verstappen sitzen wird.
Lawson hat seine Feuertaufe im Regen bestanden
Damit hätte der 21-Jähre Neuseeländer am Freitagvormittag wohl nicht mitgerechnet. Aber durch den kurzfristig ausgefallenen Daniel Ricciardo konnte Liam Lawson sein erstes F1-Wochenende bestreiten. Nach nur einer nassen FP3-Session musste der Red-Bull-Nachwuchsfahrer bereits ins Qualifying. Dieses beendete Lawson zwar auf dem letzten Platz, das Rennen startete er von P19, weil Kevin Magnussen aus der Boxengasse das Rennen begonnen hat. Am Start konnte der Ricciardo-Ersatz seinen Teamkollegen Yuki Tsunoda ausbeschleunigen, musste ihn jedoch in Kurve drei wieder vorbeiziehen lassen. Als in der ersten Runde der Regen angefangen hat, kam Lawson direkt hinter Tsunoda an die Boxengasse, um sich die Intermediates abzuholen. Jedoch musste er hinter dem Japaner in der Box warten, weil das Alpha-Tauri-Team die Reifen nicht parat hatte. Dennoch reihte er sich am Ende von Runde vier auf Platz elf ein. Während in der trockenen Phase des Rennens Yuki Tsunoda 50 Runden auf einer Soft-Mischung gefahren ist, nutze Liam Lawson eine konservative Soft-Medium-Soft Strategie. Am Anfang des Stints war Tsunoda eine Sekunde schneller pro Runde, als Lawson in Runde 46 zu für seine zweite weiche Mischung an die Box kam, konnte er zwei Sekunden schneller fahren als sein Teamkollege auf alten roten Reifen.
Als in Runde 59 der zweite Regen einsetzte, lag der Alpha-Tauri-Ersatzmann mit fünf Sekunden Rückstand auf dem letzten Platz hinter Bottas, Magnussen und Hülkenberg. Tsunoda lag auf Platz 12. Magnussen ging eine Runde später auf die Intermediates und verlor so die Position gegen Lawson.
Bis zum durch Aquaplaning geschuldeten Unfall von Zhou Guanyu in Runde 63 konnte Magnussen sich nicht in eine Position bringen, um sich die Position zurückzuholen.
Nach dem Re-Start beschleunigte Lawson am Ausgang von Kurve drei Bottas aus und beendete das Rennen hinter seinem Teamkollegen. Jedoch erhielt Tsunoda eine Fünf-Sekunden-Strafe für die Kollision mit George Russell, sodass er auf P15 zurückfiel. Damit beendete der junge Neuseeländer das schwierige Rennen auf Platz 13. Für den italienischen Rennstall mit bisher nur drei WM-Punkten in der laufenden Saison ist das Ergebnis von Liam Lawson ein gutes, aber nicht herausragendes Ergebnis. Nichtsdestotrotz hat Lawson seine Feuertaufe mehr als bestanden. Ohne größere Fehler hat er seinen plötzlichen F1-Einstand absolviert und dabei seinen Teamkollegen, Magnussen und mit Bottas einen zehnfachen GP-Sieger hinter sich gelassen. Beim kommenden F1-Wochenende in Monza und vermutlich auch in Singapur hat der Mann aus Neuseeland weiter die Chance sein Können im Cockpit von Ricciardo in der Königsklasse zu beweisen.