Das neue Forza Motorsport

Die Erwartungen an den neusten Teil der Forza-Motorsport-Reihe sind groß. Immerhin ist das letzte Spiel der Reihe sechs Jahre her. Zwar gab es in der Zwischenzeit zwei Spiele aus dem Forza-Horizon-Universum, jedoch spricht die Forza Motorsport Reihe mit einem deutlich realistischerem Fahrgefühl eher eine andere Zielgruppe als die Horizon-Ableger an. Zusätzlich wird die Konkurrenz von Seiten Sony mit ihrer Gran-Turismo-Reihe wird immer größer. Fährt „Turn 10“ mit ihrem neuen Forza Motorsport wieder auf die Pole-Position der Rennspiele oder erleidet das Game doch einen kapitalen Motorschaden?

Tolle Grafik, aber schwacher Umfang

Wer Forza Motorsport das erste Mal startet, dem fällt sofort die umwerfende Grafik des Spiels aus. Dabei überzeugt die Optik in beiden Grafikoptionen: Leistungsmodus oder Qualitätsmodus. Beim Leistungsmodus läuft Forza Motorsport auf Xbox Series X und S mit konstanten 60 Bildern die Sekunde sehr flüssig. Dafür sind manchmal die Texturen von Häusern im Hintergrund flach und verwaschen. Das fällt im Eifer des Renngeschehens oftmals gar nicht auf. Im Qualitätsmodus überzeugt das Spiel in bis zu 4K-Optik und 30 Bilder die Sekunde. Gerade die Nachtrennen machen optisch echt einiges her, aber auch die Auto-Modelle sind beeindruckend detailgetreu. 

Grafik-Bug: Aus einem Porsche mit Dach wurde schnell ein Cabrio.

Und davon gibt es eine ganze Menge. Mit über 500 Autos gibt es von Release an ein umfangreichen Fuhrpark für die Spieler. Dabei ist die Spannweite, wie bereits an den Vorgängern bekannt, sehr groß: Von alten Vintage-Klassikern, über neuste Luxus-Sportwagen gibt es ebenfalls einfache Straßenwagen oder auch verschiedenste Formel-1-Boliden. 

Zwar bot der Vorgänger mit über 700 Modellen eine größere Auswahl, dies fällt aber nicht schwer ins Gewicht und wird in Zukunft mit Updates erweitert. 

Mehr stört die doch vergleichsweise gering Anzahl an Strecken im Spiel. Mit gerade mal 20 Kursen ist der Umfang im neuen Forza Motorsport nicht gigantisch. Natürlich gibt es Klassiker wie Silverstone, Suzuka oder Le Mans, dennoch sind unter den 20 Strecken auch eine Handvoll fiktive Strecken dabei. Dies ist Schade, da die lizensierten Strecken nicht immer 100-prozentig aktuell sind. Beispielsweise fehlt auf der Strecke von Spa-Francorchamps das Kiesbett neben der Spitzkehre. Durchschnittlich interessierten Rennspielfans mag das zwar nicht auffallen, aber Motorsportfanatiker, welche um jede Hundertstel kämpfen, denen fällt das sofort negativ auf. 

Kampagne zum Einschlafen

Im Vorhinein vermarktete Turn 10 ihr neues Forza Motorsport mit einer komplett überarbeiteten Karriere im Solo-Modus, welcher an ein Rollenspiel erinnern soll. Nicht mehr dutzende verschiedene Autos soll man über die Karriere hinweg steuern, sondern nur einige wenige. Ziel ist es, die eignen Autos gut zu kennen und sich mit diesen jedes Rennen neu zu steigern, indem man immer wieder neue Upgrades an die Karre schreibt. Dafür gibt es vor jedem Rennen ein kurzes Training, um sich auf die Strecke, das Auto und die Wetterbedingungen einzustellen. Danach geht es in das Rennen. Ein Qualifying gibt es nicht. Man entscheidet selbst, auf welchem Startplatz man das Rennen beginnen möchte. Schafft man es von weiter hinten noch auf das Podium, belohnt einen das Spiel mit mehr Erfahrungspunkten. Fünf bis sechs Rennen umfassen die sogenannten Builders Cups, die Meisterschaften in Forza Motorsport. Insgesamt 25 verschiedene Meisterschaften mit unterschiedlichen Autoklassen und Strecken gibt es in der Karriere. 

In der Praxis funktioniert dieser Spielprozess nicht sonderlich gut. Die sehr starre Struktur von Training, Rennen und anschließend mit Erfahrungspunkten das Auto upgraden wird schnell eintönig. Die Karriere wird nie durch spezielle Aufgaben oder Herausforderungen aufgewertet. Zudem sind die 25 Builders Cups nicht so abwechslungsreich, wie sie sein könnten. Obwohl sehr viele verschiedene Autoklassen in Forza Motorsport zur Verfügung stehen, werden diese aber nicht in der Karriere genutzt. Darüber hinaus benötigt man für jeden der 25 Meisterschaften quasi ein neues Auto, sodass man doch nicht so viel Fahrerfahrung mit den einzelnen Auto sammelt, wie es wünschenswert wäre. 

Fahren macht Spaß, aber die Rennen nicht

Eines der großen Stärken des neuen Forza Motorsport ist das großartige Fahrgefühl der Boliden. Jeder einzelne steuert sich anders, aber immer nachvollziehbar. Ohne jemals selbst einen der Sportwagen in Echt gefahren zu sein, fühlt es sich dennoch realistisch an. Diese Abwechslung ist definitiv gelungen. 

Dennoch machen die Rennen mit KI-Gegner keinen großen Spaß. Zu langweilig sind die Rennen. Die computergesteuerten Wagen sind zu wenig aggressiv. Obwohl sie sichtlich schneller sind als man selbst überholen sie nicht auf der Gerade, sondern lassen sich wieder zurückfallen. Auf der anderen Seite lösen sich die ersten Fahrer schnell vom restlichen Fahrerfeld, sodass man diese Lücke selten in den kurzen Rennen aufholen können. Deshalb fühlen sich alle Rennen doch sehr identisch an. Nach der Startphase fährt man zügig bis auf das Podium, die Spitze ist jedoch zu weit weg, um anzugreifen, und von hinten machen die Gegner keinen Druck, weil sie nicht angreifen. Wie an einer Perlenkette spult man die Rennrunden ab und ist froh, wenn es vorbei ist.

Zum Glück gibt es diese Probleme im Multiplayer-Modus nicht. Mit echten Spieler*innen aus der ganzen Welt geht die Forza-Formel auf: Spannende Zweikämpfe mit echten Überholmanövern. Im Multiplayer-Modus überzeugt ebenfalls das Strafen-Modell. Für Zusammenstöße oder Tracklimits analysiert das Spiel in Echtzeit die Situation und vergibt faire Zeitstrafen. 

Fazit

Sechs Jahre mussten Fans von Forza Motorsport auf den achten Teil der Rennserie warten. Vor zwei Wochen kam der neuste Ableger, welcher schlicht „Forza Motorsport“ heißt, heraus. Ich habe mir die Rennsimulation des Entwicklers „Turn 10“ genauer angeschaut und bin zu einem Fazit gekommen: Wer keine Freunde hat, wird keinen Spaß mit Forza Motorsport haben!

Wer alleine die Kampagne von Forza Motorsport durchspielt, hat echt starke Nerven, im Multiplayer wiederum glänzt das Spiel. Dennoch erfüllt Forza Motorsport nur die Grundlagen. Alles, was ein Rennspiel einzigartig machen könnte, fehlt. Da es auf der Xbox Series S/X jedoch keine wirklich Alternative gibt und das Spiel von Release an kostenlos im GamePass zur Verfügung steht, kann jeder, der Interesse an, einfach das Spiel selbst mal ausprobieren.

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