Für die meisten Formel-1-Fans ist er lediglich ein abgehobener Geschäftsmann, der seinem Sohn ein eigenes Rennteam gekauft hat. Jemand, der von Netflix als mafioser Antagonist des Fahrerfelds inszeniert wird. Einer, über den jeder im Formel-1-Zirkus eine Meinung hat, obwohl er sich meistens im Hintergrund aufhält. Die Rede ist natürlich von Lawrence Stroll.
Multimilliardär, Teambesitzer und Vater von Lance. So weit so klar. Doch die wenigstens wissen, wie der gebürtige Montrealer wirklich tickt und wie er sein 3,6 Milliarden Dollar schweres Vermögen erwirtschaftet hat.
„Es muss groß sein, sonst bin ich raus!“
Lawrence Stroll ist nicht in die Formel 1 gekommen, um zweiter zu werden. Sein Fünfjahresplan mit Aston Martin steht. Bis 2026 soll sein Team um die Weltmeisterschaft fahren. Diesen Mut, groß zu denken, den hatte Stroll sein Leben lang schon. „Es muss groß sein, sonst bin ich raus!“ zitiert Modedesigner Tommy Hilfiger das erste Treffen mit dem kanadischen Geschäftsmann Ende der 80er-Jahre.
Damals war Hilfiger noch keine Mode-Ikone. Ganz im Gegenteil, sein Unternehmen stand nah am Bankrott. Stroll entdeckte das Potenzial der Marke und investierte – mit Erfolg! Innerhalb von wenigen Jahre baute er Tommy Hilfiger auf und brachte das Unternehmen 1992 an die US-Börse. Es war der Start einer erfolgreichen Zusammenarbeit.

Gemeinsam mit seinem langjährigen Businesspartner Silas Chou war Stroll bis 2003 Co-Chairman des Modekonzerns. Dann verkauften sie ihre Anteile am Unternehmen, gaben ihre Führungsverantwortung ab und wurden nach Angaben des Modefachmagazins WWD „sehr wohlhabend“. Es war der erste große wirtschaftliche Erfolg im Leben des Lawrence Stroll.
Weltmeister mit Schumacher
Der finanzielle Aufstieg des Modeunternehmens in den 90er-Jahren ist auch seiner einzigartigen Werbekampagne zu zuschreiben. Gründer Tommy Hilfiger ist seit seiner Jugend besessen vom Motorsport: „Ich finde die Formel 1 so spannend, weil die Rennen so energiegeladen sind!“ Glücklicherweise war auch Lawrence Stroll schon damals euphorischer Ferrari-Sammler und hatte einige direkte Kontakte in die Formel 1.

Diese nutze er, um ein großangelegtes Sponsoring vorzubereiten. Stroll und Hilfiger erkannten nämlich, dass „die Formel 1 der Mittelpunkt Popkultur ist“. Ab 1991 war der Modekonzern Teamsponsor von Lotus. Bis zur Insolvenz von Lotus 1994 war Hilfiger Sponsor des wenig erfolgreichen F1-Teams.
Mit einem einfachen Sponsoring hat sich Stroll jedoch schon damals nicht zufriedengegeben. Er wollte mehr. Und er bekam mehr. Nichts Geringeres als das größte und wichtigste Formel-1-Team der Geschichte: Ferrari. Mit dem Team aus Maranello verhandelte Stroll ab der Saison 1998 einen Sponsoring-Deal für Tommy Hilfiger. Diese Zusammenarbeit war geprägt durch Erfolge. Zwei Ferrari-Hilfiger-Kollektionen waren weltweit ausverkauft. Überall, wo Ferrari war, stand auch der Name Tommy Hilfiger. Und nicht zuletzt die Weltmeistertitel von Schumacher machten diesen Deal zum Erfolg. Ein Erfolg für das Modeunternehmen, welcher allein Lawrence Stroll zu verdanken ist.

Angefangen als 16-Jähriger bei seinem Vater
Dass Lawrence Stroll ein erfolgreicher Geschäftsmann werden würde, verwundert nicht. Bereits sein Vater, Leo Stroll, wurde durch Modegeschäfte zum Selfmade-Millionär. Er lizensierte in den 1970er-Jahren als erstes die Kleidung von Pierre Cardin in Kanada. Bereits mit 16 Jahren hat sein Sohn ihm bei den Geschäften assistiert. So hat Lawrence Stroll schon früh erste Erfahrungen in der Welt der Millionen gesammelt. Dies war auch notwendig, da Lawrence zum 17. Geburtstag von seinem Vater die Geschäftsverantwortung der Kinderkleidung von Pierre Cardin „geschenkt“ bekommen hat. Als 20-Jähriger weitete Lawrence sein Geschäft aus und geht nach Europa. Dort lizensierte er die Produkte der Modemarke Ralph Lauren. Diese jugendliche Prägung erklärt auch, warum Lawrence Stroll, wie er selbst sagt, immer erst an den finanziellen Erfolg denkt.
Mittlerweile ist er selbst Vater. Mit seiner Frau Raquel Stroll hat er zwei gemeinsame Kinder – Chloe (28) und Lance (25). Sie ist Sängerin und seit letzten Mai mit dem Olympiasieger Scotty James verheiratet. Er ist seit 2017 Formel-1-Fahrer. Seitdem die Kinder in seinem Leben sind, hat sich das Leben von Lawrence sehr verändert. Das Business rückte in den Hintergrund und er versuchte, möglichst viel Zeit mit Chloe und Lance zu verbringen. Anders als er selbst mussten seine beiden Kinder ihm nicht bei geschäftlichen Tätigkeiten helfen, ganz im Gegenteil. Lawrence unterstützte beide so gut wie es ging – vor allem die Fahrerkarriere von Sohn Lance.
„Wir teilen die Leidenschaft für den Rennsport“
Schnelle Autos seien schon immer seine große Passion gewesen, erzählt Lawrence Stroll. Da ist es wenig verwunderlich, dass der jetzige Multimilliardär mit dem Ferrari 250 GTO das Langezeit teuerste Auto der Welt besitzt. Stolze 50 Millionen Pfund bezahlte der Ferrari-Sammler für das Rennauto. Neben dem Ferrari 250 GTO stehen unter anderem ein Ferrari Testarossa und ein Ferrari 330P4 in seiner Garage. Insgesamt beträgt der Wert seiner einmaligen Sammlung rund 170 Millionen Dollar. Für ihn sind diese Autos jedoch keine Sammlerstücke für das Museum. Er fährt sie, sehr viel und sehr gerne! Und das bis 2021 sogar auf seiner eigenen Rennstrecke. Auf dem Circuit Mont-Tremblant im kanadischen Quebec konnte er sich seinen „Autotraum verwirklichen“. Stroll betont in seinen seltenen Interviews immer wieder, er arbeite nur, um diese Auto besitzen und fahren zu können.

Als Acht-Jähriger begann sein Sohn Lance mit dem Kartfahren. Vom ersten Tag an unterstützt er ihn. Bereits zwei Jahre später organisierte Lawrence Stroll dem Nachwuchs einen Vertrag bei der Ferrari-Driver-Academy. Um die Karriere von Lance zu fördern, verlagerte er außerdem seine Geschäfte mitsamt seinem kompletten Familienleben 2010 von Kanada nach Europa. Auf den fahrerischen Erfolg von Stroll Jr. musste er nicht lange warten. Formel-4-Meister im Jahr 2014 und bereits zwei Jahre später Formel-3-Meister.

„Die Formel 1 ist mit nichts zu vergleichen“
Den meisten Motorsport-Fans ist Lawrence Stroll vermutlich erst im August 2018 bekannt geworden, als er das insolvente Force India F1 Team gekauft hatte. Knapp 120 Millionen Dollar hat ihm das Rennteam gekostet. Eine finanzielle Entscheidung, damit sein Sohn langfristig in der Formel 1 antreten kann. Was die wenigsten zu dieser Zeit wussten, es sollte nur das erste von vielen Investments in der Formel 1 werden. Für fast 240 Millionen Dollar wird Stroll Executive Chairman von Aston Martin und gründete das gleichnamigen F1-Teams. Auch hier gilt wieder seine Maxime „Es muss groß werden!“. Insgesamt 250 neue Mitarbeiter, eine neue Highend-Fabrik und mit Sebastian Vettel einen Weltmeister als Fahrer im Team. Lawrence Stroll hat auch in der Königsklasse des Motorsports großes vor. Für ihn steht sein Ziel schon lange fest: Formel-1-Weltmeister 2026.
Damit das funktioniert, agiert der Geschäftsmann wie schon immer. Mit großem Einsatz, den besten Leuten und einer Menge Passion zum selbstgesteckten Ziel. Obwohl Stroll es in der Formel 1 genauso macht, wie in seinem bisherigen Geschäftsleben stellt er klar: „Die Formel 1 ist mit nichts zu vergleichen“.
Ebenso wie die Formel 1 ist der Vater, Geschäftsmann und Motosportfan Lawrence Stroll mit nichts zu vergleichen. Mit seinem unvergleichlichen Einsatz hat es Stroll bis in die oberste Liga geschafft. Ein Mann, für den der Motorsport nicht nur das nächste Geschäftsfeld darstellt, sondern die Erfüllung seines größten Traumes bedeutet!
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