Saisonvorschau 2024 – Teil 2

Jetzt haben alle zehn Teams ihre Fahrzeuge für die Saison 2024 präsentiert. Dabei ist vor allem spannend, was die Favoriten Red Bull, Mercedes oder auch Aston Martin sich für das kommende Jahr für die Autos überlegt habe und wer in der Lage ist, vorne mitzumischen.

Aston Martin Aramco Formula One Team

Sie waren 2023 die Überraschung des Jahres! Mit einem furiosen Saisonstart war Aston Martin aus der Versenkung verschwunden und galt lange Zeit als einziger Konkurrent von Red Bull. Zeitweise schwächelte das Silverstone-Team jedoch. Dies soll sich mit dem AMR24 ändern!

Aston Martin hat den diesjährigen Wagen radikal weiterentwickelt. Vor allem die seitlichen Lufteinlässen und die Seitenkästen sind innovativ! Die Lufteinlässe sind so schmal wie bei keinem anderen Team. Nur noch ein kleiner Schlitz ist von vorne zu erkennen. Möglich wurde dies, indem das Team die untere Lippe extrem nach vorne gezogen hat. Dadurch entsteht ein dünner Korridor, durch welchen die Luft strömen kann. Mit diesem neuen Einlass soll der Luftwiderstand des AMR24 deutlich verringert werden. 

Zusätzlich geht das ehemalige Minardi-Team neue Wege bei den Seitenkästen. Die Downwash-Philosophie ist geblieben, jedoch wurde der Seitenkasten am AMR24 stark unterschnitten. Durch diesen „Undercut“ entsteht ein sehr kompakter Seitenkasten. Aston Martin will mit diesem Undercut-Seitenkasten die Luft noch besser an das Heck des Wagens leiten und somit die komplette Aerodynamik des Wagens verbessern.

Im vergangenen Jahr war das größte Problem des AMR23 die Weiterentwicklung. Auf Grund von falschen Daten aus der Fabrik entwickelte das Team das Auto in eine falsche Richtung. Damit sich dies 2024 nicht wiederholt und Aston Martin über die komplette Saison konkurrenzfähig bleibt, betont Teamchef Mike Krack, der neue Dienstwagen von Alonso und Stroll habe eine gute Basis für zukünftige Weiterentwicklungen.

Insgesamt sind die Anforderungen an Aston Martin sehr groß und der Plan von Teambesitzer Lawrence Stroll steht weiterhin. Bis 2026 will die Truppe aus Silverstone um die Weltmeisterschaft kämpfen. Dafür müssen beide Piloten über die komplette Saison punkten. Platz fünf in der Teamwertung im vergangenen Jahr war zwar „ausschließlich positiv“, so Krack, aber 2024 wolle man endlich den ersten Sieg einfahren.

Scuderia Ferrari

Jedes Jahr aufs Neue warten weltweit Millionen von Tifosi auf ihre neue rote Göttin. Und die Fans wurden nicht enttäuscht. Der neue SF-24 macht optisch echt was her. Das markante Ferrari-Rot kombiniert mit gelben und weißen Rennstreifen, lässt den neuen Ferrari zumindest schon mal von der Lackierung neu erscheinen. Doch was hat sich technisch getan?

Ferrari setzt 2024 auf Altbewährtes. So folgt die Scuderia beispielsweise nicht dem Techniktrend und fährt anders als die Konkurrenz weiterhin mit Pushrods. Auch die Nase weist große Ähnlichkeit vom Vorjahresmodell auf. Sie ist lediglich ein wenig schlanker geworden. Ebenfalls kommen einem die seitlichen Lufteinlässe vom SF-23 sehr bekannt vor. Die größte Veränderung hat sich beim Seitenkasten ergeben. Weil die seitliche Crashstruktur nach unten gerutscht ist, hatten die Ingenieure 2024 genug Platz, um ebenfalls einen Downwash-Seitenkasten zu entwerfen.

Im letzten Jahr hatte Ferrari bereits damit angefangen, dieses Design an ihrem Fahrzeug zu etablieren. Jedoch hat der SF-23 dieses Konzept nicht wirklich zugelassen, weswegen es eher ein Kompromiss als eine dauerhafte Lösung war. Dies soll sich 2024 ändern! Carlos Sainz und Charles Leclerc bestätigen nach ihrem ersten Show-Run auf der hauseigenen Strecke in Fiorano zumindest schon mal, dass sich der SF-24 sehr angenehm fahren lassen würde.

Nichtsdestotrotz tritt Teamchef Frederic Vasseur auf die Euphorie-Bremse: „Besser, wir fokussieren uns auf das, was wir tun, und nicht auf die Meisterschaft“. Vermutlich eine gar nicht so schlechte Idee nach den letzten schwächeren Jahren.

Mercedes-AMG Petronas Formula One Team

Für Mercedes steht 2024 ein wegweisendes Jahr bevor. Mit dem angekündigten Wechsel von Lewis Hamilton beginnt für das Tam eine neue Zeitrechnung. Nicht nur muss George Russell die neue Rolle des Teamführers übernehmen, sondern ebenfalls muss ein Hamilton-Nachfolger gefunden werden. Als wenn diese Aufgabe nicht schon groß genug wäre, hat Mercedes seit dem Regelumbruch kein weltmeisterliches Auto auf die Strecke gebracht. Mit dem W15 greift Mercedes jedenfalls wieder tief in die Trickkiste. 

Mercedes hat Mitte letzten Jahres erkannt, dass sie mit dem Zero-Pod-Konzept auf dem falschen Weg waren. Deshalb hat das Team ihre Fahrzeug-Philosophie geändert und sie sind zu den ursprünglichen Lufteinlässen gewechselt. Dies hatte Toto Wolff bereits im vergangenen Jahr angekündigt: „Für 2024 werden wir eine Menge ändern und versuchen, zu den Grundlagen zurückzukehren“. Dies hat funktioniert! Der W15 ist der erste Mercedes seit der Regelrevolution 2022, welcher komplett auf dem neue „Alte“ Konzept beruht!

Dennoch haben sich die seitlichen Lufteinlässe im Vergleich zu 2023 verändert. Sie sind nun in einer P-Form. Dadurch soll sich deutlich der Luftwiderstand verringern. Allgemein soll das Auto deutlich leichter zu fahren sein. Die beiden Piloten beschwerten sich regelmäßig über mangelndes Vertrauen beim Fahren ins Auto. Besonders der neue Frontflügel soll dazu beitragen.

Während auf den ersten Renderings des neuen W15 noch nichts Auffälliges an der Nase zu erkennen war, war die Konkurrenz nach dem ersten Shakedown in Silverstone verblüfft. Per technischem Reglement muss der Frontflügel aus drei Paneelen bestehen. Diese müssen statisch befestigt sein. Bei Mercedes existieren nur zwei Paneele. Eine dritte schwebt quasi in der Luft. Damit diese einmalige Konstruktion nicht regelwidrig ist, wurde die Paneele mit einer dünnen Strebe mit der Nasenmitte verbunden. Das Ergebnis ist ein besonders extravaganter Flügel, welcher die Luft ungehindert in die Venturi-Kanäle strömen lässt. Erste Diskussionen über die Legalität dieser Idee sind bereits im Fahrerfeld entfacht. Mercedes hat es jedenfalls geschafft mit diesem Flügel eine Regellücke Reglement auszunutzen!

Nach einem sieglosen 2023 muss für die Mannschaft aus Brackley wieder mehr drinnen sein! Die Ambitionen von Teamboss Wolff sind klar: Ein zweiter Platz ist nicht genug. Auch Lewis Hamilton ist weiterhin hungrig auf seinen nächsten Triumph. Sein letzter Sieg war beim Premieren-Rennen 2021 in Saudi-Arabien. Ob es mit dem W15 wieder gelingt, die Spitze der Tabelle zu erreichen, angesichts der Dominanz von Red Bull ist allerdings fraglich.

McLaren Formula One Team

McLaren hat 2023 eine 180 Grad Wendung hinbekommen. Sie waren erst am Ende des Feldes und waren nach Updates in Österreich dann Anwärter für die erste Reihe. Während Rookie Oscar Piastri den Sprint von Belgien siegreich beenden konnte, wartet Lando Norris weiterhin sehnlich auf seinem ersten Sieg. Dieser soll mit dem neuen MCL38 nun endlich kommen.

Schon früh hat McLaren den neuen Wagen für die Saison 2024 gezeigt – zumindest die Lackierung. Aber auch bei der eigentlichen Fahrzeugpräsentation wurde nicht viel mehr verraten. Viele Details waren auf den Renderings bewusst unkenntlich gemacht, oder vom Vorjahreswagen übernommen. Einzig die obere Lippe an den seitlichen Lufteinlässen ist eine wirkliche Neuerung. Dabei hat Teamchef Andrea Stella drei wesentlichen Schwachstellen des MCL60 aus 2023 genannt: Die Aerodynamische Effizienz, der mechanischer Grip und der hohe Reifenverbrauch. Inwiefern diese Punkte verbessert werden konnten, lässt sich derzeit nur mutmaßen. 

Unabhängig von den bisher gezeigten Bildern darf McLaren für die kommende Saison keinesfalls unterschätzt werden. Ein Team, welches einen solchen Turn-Around 2023 geschafft hat, hat ihr Fahrzeug verstanden und ist damit in der Lage, es perfekt weiterzuentwickeln. Zusammen mit Norris und Piastri haben sie zwei Fahrer, die siegen können, wenn das Fahrzeug dazu das Potenzial hat!

Oracle Red Bull Racing

Als letztes Team stellte Red Bull ihren RB20 für die Saison 2024 vor. Alle Augen waren während der Präsentation nach Milton Keynes gerichtet. Kein Wunder nach der Machdemonstration der vergangenen Jahre und Designer Adrian Neweys hat es wieder geschafft die Konkurrenz zu schocken! 

Der RB20 ist alles andere als eine „konservative Weiterentwicklung des Vorjahreswagens“, wie es von Newey vor der Präsentation runtergespielt wurde. Vor allem zwei Änderungen machen den neuen Renner von Max Verstappen und Sergio Perez zur einem aggressiven Upgrade. Zum einen die seitlichen Lufteinlässen. Diese sind einzigartig vertikal angeordnet und oberhalb verdeckt durch eine Lippe, die als Halterung der Spiegel fungiert. Eine ähnliche Lippe über den Lufteinlässen hat bereits McLaren an ihrem Fahrzeug präsentiert. Erstaunlich ist hierbei die Ähnlichkeit des Red-Bull-Designs mit dem Zero-Pod-Konzept von Mercedes aus den vergangenen zwei Jahre. Auch die Motorenabdeckung hinter dem Fahrer gleicht bei Red Bull nun den Konzepten von Mercedes. Sie ist weit nach oben gezogen und verläuft Wurst-Förmig nach hinten. Neu allerdings die Tatsache, dass die vertikalen Lufteinlässen in einer Kühlerbox integriert sind. Dadurch kann weiterhin vom Downwash-Effekt profitiert werden. 

Das Team rund um Christian Horner und Helmut Marko kann 2024 im Grunde nur verlieren! Nicht, weil der RB20 langsam sein wird, sondern weil die Maßstäbe der vergangenen Saison nicht mehr übertroffen werden können. Mit Ausnahme des Singapur-GP haben die roten Bull jedes Rennen gewonnen. Eine Statistik, welche dieses Jahr kaum noch übertroffen werden kann. Auch, weil die Konkurrenz spürbar nähergekommen ist. Deshalb ist es für das Team besonders wichtig, dass mit Perez beide Piloten konstant punkten. Sonst kann die Konstrukteurswertung trotz einer Dominanz von Verstappen gefährdet sein!

Im ersten Teil habe ich mir die anderen fünf Fahrzeuge der Saison genauer angeschaut. Klickt gerne hier: https://mariomotorsport.com/2024/02/11/saisonvorschau-2024-teil-1/

Wenn euch diese Saisonvorschau gefallen hat, teilt sich gerne mit euren Freunden oder abonniert doch gleich diese Website kostenlos und bleibt immer auf dem Laufenden!

Hinterlasse einen Kommentar