Warum Drive To Survive großartig ist!

Drive To Survive ist der größte mediale Erfolg für die Formel 1 seit der Übernahme von Liberty Media. Millionen von neuen Fans weltweit hat die Königsklasse des Motorsports durch die Netflix-Produktion dazugewonnen. Dabei war nicht nur die Action auf der Strecke für den Erfolg der Serie entscheidend, sondern vor allem die Einblicke hinter die Kulissen. Dennoch hatten es die Macher in der Vergangenheit oftmals nicht so mit der Wahrheit. Viele Erzählstränge waren aus dem Kontext gerissen, damit möglichst viel Drama erzählt werden kann. 

Wie sieht es mit der sechsten Staffel aus? Wurde auf die Kritik der Fans gehört oder gibt es weiterhin viel Drama um nichts? Dieser Episodenguide gibt die Antwort! 

Folge 1: Rund ums Geld

Die neue Serie startet mit dem Saisonauftakt in Bahrain. Wir begleiten Aston Martin mit Teambesitzer Lawrence Stroll. Er wird – wie schon in den Staffeln zuvor – als der Antagonist des Fahrerlagers dargestellt. Er erzählt keine Witze, er macht keine Späße. Nur das große Ziel, die Weltmeisterschaft, zählt. Die Folge erzählt den ersten großen Erfolg des Jahres für das Team. Alonso fährt im ersten Rennen mit Aston Martin auf das Podium und Stroll beendet den Bahrain-GP auf Platz sechs. Letzterer ist in der Folge ein großes Thema, weil er sich wenige Tage vor dem ersten Rennen bei einem Fahrradunfall an der Hand und am Fuß verletzt hat.

Folge eins ist ein netter Einstieg in die neue Staffel. Ohne weitere Highlights kann die Folge kurzweilig unterhalten und schafft es, Lust auf die restlichen Folgen zu machen!

Wertung: 5/10

Folge 2: In Ungnade

Nyck de Vries fährt 2023 erstmals bei Alpha Tauri. Seine kurze F1-Karriere ist Thema in der zweiten Folge. Immer wieder wird betont, wie groß der Druck für Piloten bei Red Bull und Alpha Tauri ist. Unter diesem Druck hat de Vries nicht abgeliefert und wurde zur Saisonhälfte von Daniel Ricciardo ersetzt. Dieser konnte sich bei einer Testfahrt in Silverstone beweisen und damit Christian Horner und Alpha Tauri CEO Peter Bayer davon überzeugen, dass er den Platz vom Holländer übernimmt. 

Highlight der Folge ist definitiv die Testfahrt von Ricciardo. Netflix war hautnah bei dieser sonst medienfernen Testfahrt dabei und hat dokumentiert, wie sie ablief. Außerdem hat der Weihnachtsmann die Familie Horner besucht. Sehr unterhaltsam!

Wertung 9/10

Folge 3: Unter Druck

Mit viel Druck geht es in der dritten Folge weiter. Dieses Mal betrifft es McLaren CEO Zak Brown. Er muss seinen Top-Piloten Lando Norris bei der Stange halten, obwohl das Auto nicht die gewünschte Performance zeigt. Glücklicherweise funktioniert das groß angekündigte Update zur Jahreshälfte und Norris schafft es auf das Podium bei seinem Heim-Grand-Prix. Mögliche Wechselgerüchte bezüglich Norris zu Red Bull werden zwar als Spannungsbogen für die Folge genutzt, sind aber grundlos. Daher ist diese Episode eher langweilig.

Die ganze Folge wirkt wie ein zahnloser Tiger. Es werden Dinge angedeutet, die aber nie passiert sind. Zudem gab es keine spannenden Hintergrundinformationen oder Ähnliches.

Wertung: 2/10

Folge 4: Das letzte Kapitel

Viele Drive-To-Survive-Fans haben darauf gewartet und er ist wieder dabei: Günther Steiner! Er ist laut, emotional und impulsiv. Ihm gegenüber steht James Vowles. Der Williams-Teamchef setzt lieber auf Daten und genaue Analysen. Diese zwei konträren Führungsstile am Ende des Feldes werden in Folge vier schön gegenübergestellt. Die Teamchefs stehen klar im Fokus mit ihren Aufgaben und ihrer Verantwortung. Dennoch tragen die Fahrer bei diesem Vergleich dazu bei. Magnussen und Hülkenberg sind bei Haas sehr erfahrene Piloten, während Albon und Sargeant zur jungen Generation gehören

Der Vergleich zwischen Haas und Williams macht beim Zuschauen Spaß und Günther Steiner ist ebenfalls auch schon längst Kult. Gerne mehr davon!

Wertung: 8/10

Folge 5: Bürgerkrieg

Der Teamkollege ist der erste Rivale, den man in der Formel 1 schlagen muss! Über die Teamrivalität von Esteban Ocon und Pierre Gasly bei Alpine geht es in der fünften Folge. Die beiden Franzosen kennen sich seit Kindheitstagen und waren 2023 erstmals Teamkollegen in der Königsklasse. Aber schon damals waren sie keine besonders guten Freunde. Diese Rivalität erlangt in Australien beim Re-Start-Unfall ihren bisherigen Höhepunkt. Beide Fahrer krachen in der vorletzten Runde in den Punkten liegend ineinander und scheiden aus. 

Leider endet die Folge ziemlich abrupt nach dem Podiumsplatz von Ocon in Monaco. Hier hätte man die Rivalität zwischen Ocon und Gasly noch deutlicher zeigen können! 

Wertung: 6/10

Folge 6: Vertrauensvorschuss

„Ich denke nicht, dass jemals eine Zeit kommen wird, in der ich nicht für Mercedes fahren werde“. So lautet der letzte Satz von Lewis Hamilton in dieser Folge. Mit dem Wissen von heute ist diese Episode höchst interessant. Es geht um die langjährige Zusammenarbeit von Hamilton mit Mercedes und warum er niemals das Team verlassen würde, obwohl es aktuell eine schwierige Phase ist. Viele der Aussagen sind gealtert wie Milch. Jedoch hat Netflix, ohne es vorher besser zu wissen, die Wechselgerüchte von Hamilton zu Ferrari in der Folge erzählt und damit genau ins Schwarze getroffen.

Hätte ich diese Folge von einem Monat gesehen, hätte sie mich wenig begeistert. Schließlich gab es nie ernsthafte Zweifel daran, dass Hamilton Mercedes verlassen würde. Mit dem Transfer-Hammer Anfang des Jahres wird Folge sechs zu einer der besten Ausgaben von Drive To Survive!

Wertung 10/10

Folge 7: C`est la vie

Moment mal, diese Folge habe ich eben doch schon mal gesehen… Ach nein, es wird nur nochmal erzählt, dass Pierre Gasly und Esteban Ocon in dieser Saison mit dem Alpine hinter den Erwartungen liegen. Zwar wird in dieser Episode erzählt, dass Otmar Szafnauer als Teamchef durch Bruno Famin ersetzt wird, viel spannender wird diese Geschichte dadurch aber leider nicht.

Wertung: 1/10

Folge 8: Forza Ferrari

Was wäre die Formel 1 und Drive To Survive ohne Ferrari. Kein Team in der Geschichte des Sports hat so viele leidenschaftliche Fans wie die Scuderia. Umso höher ist der Druck bei Fahrern und Teamchef. Bald schon traditionell begleitet Netflix auch in der Saison 2023 Ferrari bei ihrem Heim-Grand-Prix in Monza. Und auch dieses Jahr gelingt es den Pathos in der Serie zu vermitteln. Zusätzlich hilft es natürlich, dass Carlos Sainz den einzigen nicht Red Bull Sieg letztes Jahr mit Ferrari einfahren konnte.

Obwohl der Grundaufbau der Folge bereits in den letzten Jahren verwendet wurde, um über die Scuderia zusprechen, sind die Emotionen nach wie vor schön anzusehen.

Wertung: 8/10

Folge 9: Drei ist einer zu viel

Unverhofft kommt oft. So lautete zumindest für Daniel Ricciardo das Motto beim Zandvoort-GP. Der Australier hat sich bei einem Unfall an der Hand verletzt und fällt kurz nach seinem Comeback schon wieder aus. Die Gelegenheit für Red-Bull-Nachwuchspilot Liam Lawson sich im F1-Cockpit zu beweisen. Beim Qualifying zum Nachtrennen in Singapur qualifiziert sich der Neuseeländer auf Platz zehn und landet sogar vor Weltmeister Verstappen – eine beeindruckende Leistung. Leider reichte es für Lawson nicht, die Verantwortlichen für einen Stammplatz zu überzeugen.

Teilweise wurden gleiche Ausschnitte schon in vorherigen Episoden genutzt. Das ist schade, denn der kurzfristige Einsatz von Lawson, ist einer der besten Geschichten des Jahres.

Wertung: 7/10

Folge 10: ­Rot oder Schwarz

Zum Staffelfinale werden die Geschichten des Jahres nochmal aufgegriffen und zu Ende erzählt. Der Las Vegas Grand Prix und das Rennen in Abu Dhabi bilden nicht nur in der echten Welt das Finale, sondern auch in Drive To Survive. Vor allem die Frage, wer Platz zwei in dem Team-WM belegen wird, ist der große Aufhänger der Episode – Ferrari oder Mercedes? Ob Lewis Hamilton als siebenfacher Weltmeister diesen Kampf „nervenaufreibend“ findet, sei aber mal dahingestellt.

Diese Folge reißt zwar niemanden vom Hocker, bildet aber ein nettes Ende für die komplette Staffel sechs. 

Wertung: 4/10

Trotz Langeweile-Dominanz von Verstappen, spannend erzählt

Die Erzählmechaniken in Staffel 6 sind nach wie vor die Gleichen wie bei der ersten Staffel. Alles wird möglichst dramatisch und spannend erzählt. Jedoch werden sich keine Handlungsstränge mehr ausgedacht. Bei keiner der Storys dachte ich, dass es jetzt komplett banal und daneben sei. Grundsätzlich hatte alles Hand und Fuß.

Wer sich jedoch an falschen Schnittbildern oder Funksprüchen zum falschen Moment aufregt, für den ist die Serie immer noch nichts. Der Anteil der „gefakten“ Bilder ist meines Eindrucks nach aber in der neusten Staffel deutlich zurück gegangen. Dennoch fallen sie auf: Mick Schumacher steht neben Toto Wolff in der Box. Erst trägt er ein weißes Shirt, dann ein schwarzes. Oder wenn die Startaufstellung vor dem Silverstone-GP gezeigt wird, es in Wirklichkeit aber das F2-Grid ist. Diese Fehler sind unnötig und definitiv vermeidbar.

Diese kleinen Ungereimtheiten fallen dem Formel-1-Kenner auf, fallen aber gar nicht größer ins Gewicht. Denn abseits davon, bemüht sich die Serie alle Erzählstränge chronologisch richtig und korrekt darzustellen. Das war in den ersten Staffeln der Serie war das noch nicht der Fall. Zusätzlich ist keine andere Serie so nah am Formel-1-Geschehen dran wie Drive To Survive. 

Gibt der Serie eine Chance!

Viele F1-Fans haben der Serie nach den ersten Staffeln den Rücken gekehrt. Ich bin der Meinung, auf die Kritik der Fans wurde gehört und vieles hat sich verbessert! Drive To Survive schafft es, die Emotionen und Spannung des Sports zu transportieren. Die sechste Staffel ist das Beste, was Motorsportfans an Serien und Filmen in den letzten Jahre zusehen bekommen haben. 

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