Es ist bereits jetzt die Heldengeschichte der Saison 2024. Test- und Reservefahrer Oliver Bearman musste den krankheitsbedingt ausgefallenen Carlos Sainz für das Saudi-Arabien-Wochenende ersetzen. Doch wie hat sich der 18-jährige Nachwuchspilot in seinem ersten echten F1-Einsatz geschlagen und wie hat er selbst die letzten zwei Tage erlebt? Eine Zusammenfassung der Ereignisse:
Mittwoch
Ohne Punkte begann für Oliver Bearman die neue Formel-2-Saison. Für den Prema-Piloten zu wenig, der im vergangenen Jahr als Rookie vier F2-Rennen gewinnen konnte.
In Saudi-Arabien angekommen, betonte der junge Brite bereits, Jeddah sei einer seiner Lieblingsstrecken und er ist optimistisch, dass das Auto besser zur Strecke passen würde.
Mittags gab Ferrari dann bekannt, dass Carlos Sainz nicht am Medientag teilnehmen würde und zurück zum Hotel gefahren sei. Dem Spanier ginge es nicht gut, hieß es im Statement von Ferrari. Zu dem Zeitpunkt dachten jedoch alle noch, dass Sainz das Rennwochenende fit überstehen würde. Schließlich ist es nicht das erste Mal, dass ein Fahrer wegen Krankheit den Medientag ausfallen lässt.

Donnerstag
Kurz vor 11 Uhr fuhr Oliver Bearman erstmals in diesem Jahr auf die von Hermann Tilke gebaute Strecke – Zu dem Zeitpunkt aber noch mit Prema für die Formel 2. Zeitgleich kam der angeschlagene Carlos Sainz ebenfalls an der Strecke an. Er fuhr FP1 und FP2, obwohl es ihm nicht gut ging, wie er nach dem Trainingstag zugab: „Offensichtlich, es war ein schwerer Tag, da ich mich krank gefühlt habe“. Für ihn sei es der bisher härteste Tag in der Formel 1 gewesen.
Bearman qualifizierte sich währenddessen auf der Pole Position für das F2-Hauptrennen. Eine beachtliche Leistung, nachdem sich die Prema-Fahrer letzte Woche in Bahrain nur mit Position 18 und 19 zufriedengeben mussten.
Bei Carlos Sainz wiederum wurde am späten Abend eine Blinddarmentzündung diagnostiziert. Der Spanier wurde in ein Krankenhaus eingeliefert und operiert.
Freitag
Am frühen Freitagmittag folgte dann die offizielle Bekanntgabe: Oliver Bearman wird Carlos Sainz für das restliche Wochenende ersetzen! Das junge Nachwuchstalent erfuhr von seinem F1-Einsatz auch erst kurz vorher: „Ich bin heute morgen aufgewacht und habe mich auf das Formel-2-Rennen fokussiert. Wenig später war klar, dass ich heute im Formel-1-Auto sitzen werde“.
Als Nachwuchspilot absolvierte Bearman Ende letzten Jahres bereits zwei Freie Trainings bei Haas. Nun folgte der erste „richtige“ Einsatz als F1-Pilot. Bevor es für ihn aber so richtig los gehen konnte, musste er zunächst den obligatorischen „Sieben-Sekunden-Test“ von der FIA bestehen. Innerhalb von sieben Sekunden muss jeder Formel-1-Fahrer aus dem Auto aussteigen können – Auch Ersatzfahrer wie Bearman.
Im dritten Freien Training fuhr Bearman insgesamt 22 Runden. Auf Grund des Crashs von Zhou hatte Bearman nur einen schnellen Versuch auf roten Reifen. Diesen brachte ihn sieben Zehntelsekunden hinter Charles Leclerc auf Platz zehn.
Später im Qualifying fehlten ihm gerade mal 64 Tausendstel, um ins Q3 einzuziehen. Am Ende fuhr er in seinem ersten F1-Quali auf P11. Eine äußerst beachtliche Leistung unter den wirklich schwierigen Bedingungen für den Ersatzmann aus Chelmsford.

Samstag
Am Renntag waren alle Augen auf ihn gerichtet. Mit Ausnahme von Bottas war Bearman, der einzige, der mit Softreifen ins Rennen ging. Am Start konnte er Platz 11 verteidigen. Nach dem Stroll-Unfall kam Bearman – wie quasi das ganze Fahrerfeld – an die Box und holte sich harte Reifen. Mit einem aggressiven Überholmanöver kassierte er Tsunoda. Spätestens im Fight mit Hülkenberg zeigte der junge Brite, dass er fairen Zweikampf in der Formel 1 beherrscht. Zur Rennhälfte lag Bearman mit konstant sechs Sekunden Rückstand auf Russell auf Position neun.
Noch während des Rennens wurde er von seinem Ingenieur für die Leistung gelobt: „Mega Job“! Bis zum Ende fuhr er fehlerfrei und kam auf Platz 7 ins Ziel. Er wurde zum Fahrer des Tages gewählt. Eine Auszeichnung, mit der er sich zwar nichts kaufen kann, aber die mehr als berechtigt nach dieser Leistung war.
Stammcockpit 2025?
Insgesamt erinnert die Leistung stark an den Auftritt von Nyck de Vries 2022 in Monza. Damals ersetzte de Vries den ebenfalls durch eine Blinddarmentzündung ausgefallenen Alexander Albon im Williams. In der Saison danach bekam der Holländer ein Stammplatz bei Alpha Tauri. Mit Hinblick auf das große Fahr-Karussell für 2025 hat sich Oliver Bearman definitiv bewiesen und gezeigt, dass er reif für die Formel 1 ist!