Geheime Verträge, Proteste und $100 Millionen

Seit fast 30 Jahren findet der Australien-Grand-Prix im städtischen Albert Park in Melbourne statt. Mittlerweile hat die Strecke aufgrund seines besonderen Ambiente einen Kultfaktor bei Motorsport-Fans weltweit erlangt. Doch wie wurde aus der unscheinbaren Parkanlage eine Formel-1-Rennstrecke? Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, es geht um geheime Verträge, jahrzehntelange Proteste und Investitionen in Millionenhöhe. 

Motorsport seit über 70 Jahren

Seit 1985 trägt die Formel 1 in Australien Weltmeisterschaftrennen aus. Zehn Jahre lang ist der Austragungsort der Stadtkurs in Adelaide. Zur Saison 1996 wechselt die Formel 1 in den Albert Park nach Melbourne. Doch das ist nicht das erste Rennen, welches jemals in der Parkanlage ausgetragen wird.

21. November 1953: Das erste Rennen im Albert Park

Im Jahr 1953 findet der erste australische Grand Prix auf dem „Albert Park Street Circuit“ statt. Jedoch nicht im Rahmen der offiziellen F1-Weltmeisterschaft, sondern als freies Formel-1-Rennen. Dies ist in den Anfangsjahrzehnten nichts Ungewöhnliches. Im rein australischen Fahrerfeld kann sich Doug Whiteford den ersten Sieg auf der Rennstrecke sichern. Insgesamt sechs Jahre lang werden im Albert Park regelmäßig Rennen in unterschiedlichen Klassen ausgetragen. Bis zum ersten offiziellen Formel-1-Rennen auf der Anlange sollte es aber noch dauern.

Vergleicht man das damalige Layout der Strecke mit dem heutige Kurs, fallen sofort die großen Ähnlichkeiten auf. Die Grundcharakteristik ist über all die Jahre gleichgeblieben. In den 1950er-Jahre wird jedoch noch gegen den Uhrzeigersinn gefahren. Die ehemalige Start-/Zielgerade ist auf dem modernen Layout eine Verbindungsstraße zwischen Kurve 15 und Kurve zwei. 

Geheimer Vertrag mit Ecclestone

Bernie Ecclestone war 1983 mit mehreren Städten Australiens im Austausch, wo ein mögliches Formel-1-Rennen ausgetragen werden könnte. Unter den möglichen Kandidaten sind neben Adelaide auch Sydney und Melbourne. Jedoch können letztere keine 100-prozentige Gewissheit für die Durchführung des Grand-Prix ab 1985 geben. Deshalb bekommt die Millionenmetropole Adelaide den Zuschlag.

Der damalige zuständige Premierminister für die Region Adelaide John Bannon könne das Rennen in seiner Stadt behalten, solange er im Amt bleibe, versichert ihm Ecclestone. Was Bannon nicht weiß, der ehemalige F1-Boss hat ebenfalls einen Vertrag mit der Stadt Melbourne geschlossen, der streng geheim im Sicherheitstrakt liegt. Sollte Adelaide das Rennen nicht durchführen können, darf die Stadt Melbourne das Rennen austragen. 

Gerüchten zufolge wäre Melbourne bereit, deutlich höhere Antrittsgebühren für die Austragung des Rennens an Ecclestone zu zahlen. Deshalb ist die Empörung im Dezember 1993 bei der Bekanntgabe über die Zukunft des Australien-GP groß: Ab 1996 findet das Rennen Down Under im Albert Park statt. Vorwürfe gegen den Premierminister von Victoria Jeff Kennett werden laut. Dieser ist für Melbourne verantwortlich und hat den geheimen Vertrag mit Ecclestone in die Tat umgesetzt. Besonders brisant ist die Tatsache, dass nicht öffentlich bekannt gegeben wird, wie hoch die Antrittsgebühren sind. 

Jeff Kennett mit Zielflagge im Albert Park

Mehr als zwanzig Jahre später klärt er die Situation auf: Die Gerüchte seien „Bullshit“ gewesen. Die Regierung Adelaides habe sich nicht um das Rennen gekümmert und deswegen kam der Wechsel zu Stande, erzählt Kennett. „Adelaide war ein nettes Rennen mit einer Art Dorf-Atmosphäre. Wir hatten da einen größeren Blickwinkel“ Mit sechs Millionen Dollar seien die Antrittsgebühren für Melbourne ebenfalls genauso hoch gewesen wie für Adelaide, bestätigt der australische Politiker. 

Dies ist bei der Bekanntgabe 1993 jedoch nicht öffentlich. Viel mehr verkündet Kennett, dass der Albert Park für den Grand Prix für 100 Millionen Dollar umgebaut werden soll. Was der Premierminister zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnt: Der Umbau des Albert Parks wird zu massiven Protesten führen!

Tausende protestieren gegen das Rennen

Für Jeff Kennett ist das Rennen „ein Gewinn“ für die Bevölkerung Melbournes „nach sechs Jahren schrecklicher Wirtschaft, Arbeitslosigkeit, Unsicherheit“. Große Teile der Stadt sehen das jedoch anders. Über 10.000 Menschen protestieren im Mai 1994 im Albert Park gegen das F1-Rennen. Der Hauptvorwurf: Das Rennen ist zu teuer! Auf der Demonstration stellt sich Kennett den tausenden Kritikern.

Kennett stellt sich dem Protest

Diese schließen sich über die folgenden Jahre zu einer geschlossenen Gruppe zusammen. „Save Albert Park“ heißt die Organisation, welche tausende Anhänger hat. Ein Jahr vor dem ersten WM-Lauf in Melbourne demonstrieren über 20.000 Leute gegen das Rennen. Auch vor dem Bürokomplex von Bernie Ecclestone finden Demonstrationen statt – jedoch zwecklos.

Ziemlich genau vier Monate nachdem das Saisonfinale 1995 in Adelaide ausgetragen wurde, findet am 10. März 1996 das erste offizielle Rennen im Albert Park statt. Seitdem wird – mit wenigen Ausnahmen – jährlich hier das Formel-1-Rennen ausgetragen, auch wenn „Save Albert Park“ bis heute gegen das Rennen protestieren. Formel-1-CEO Stefano Domenicali gab 2022 zur Freude aller Formel-1-Fans bekannt, dass der Vertrag mit dem „Albert Park Street Circuit“ bis 2035 verlängert wurde.

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