Das zweite Sprint-Wochenende der Saison im österreichischen Spielberg überraschte, obwohl die Diskussionen um die Track Limits die Stimmung ein wenig trübten. Schlussendlich konnte Max Verstappen in gewohnter Dominanz das Tempo am gesamten Wochenende bestimmen und den Grand-Prix gewinnen. Charles Leclerc bestätigte mit einem zweiten Platz den Aufwärtstrend der Scuderia. Sergio Perez war in Österreich mit dem dritten Platz das erste Mal seit dem Miami GP auf dem Podium.
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Im Qualifying wurden 47 Rundenzeiten wegen Track Limit gestrichen, während des Rennens insgesamt acht Strafen ausgesprochen. Dutzende Verwarnungen wurden an quasi alle Fahrer ausgesprochen und nach dem Rennen wurden einige Fahrer durch den Protest von Aston Martin im Nachhinein bestraft. Die letzten zwei schnellen Rechtskurven am Red Bull Ring waren das Hauptproblem für die Fahrer. Lewis Hamilton schimpfte während des Rennens lautstark, dass der vorrausfahrende Lando Norris mehrfach die Strecke verlassen haben soll. Das Problem ist kein neues und die damit verbundenen Diskussionen erst recht nicht. Von den Fahrern und den Teams gibt es zwei Kritikpunkte: Zum einen, dass die Fahrer die grenzgebende weiße Linie aus dem Cockpit nicht sehen können, zum anderen, dass die Meldung der FIA erst viele Runden später bekanntgegeben wird. Bestes Beispiel hierfür Nico Hülkenberg, der verwarnt wurde, nachdem er bereits ausgeschieden ist.
Dabei ist die Reglung bezüglich der Streckenbegrenzung so eindeutig wie kaum eine andere Reglung. „The white lines define the track edges“. Erinnert man sich einige Jahre zurück, da galten für teilweise jede Kurve andere Reglungen, wo die Track Limits genau definiert sind. Manchmal war es die weiße Linie, manchmal der Kurb und manchmal gab es keine genaue Reglung.
Dennoch gibt es einen breiten Konsens darüber, dass auf dem Grand-Prix-Kurs, auf dem bis 2030 auf jeden Fall noch Rennen ausgetragen werden, Veränderungen hermüssen. Einzig Fernando Alonso habe auf Nachfrage „keine Probleme mit den Track Limits“ gehabt. Teamkollege Lance Stroll stellt den neulackierten Untergrund bei Kurve 9 und 10 als besonderes Problem dar.

Im vergangenen Jahr war der Untergrund noch grün lackiert. 2023 waren die Kurbs mit blauer Farbe umrandet. Dennoch löst eine andere Farbe logischerweise nicht das Problem. Dabei wurde die Strecke an den diskutierten Kurven erst 2020 angepasst. Zuvor haben Sausage Kerbs den Kurvenausgang begrenz. Diese wurden entfernt, nachdem sich die Fahrer beschwert hatten, sie würden sich den Frontflügel und den Unterboden an diesen Kerbs beschädigen. Zudem haben alle Fahrer dafür plädiert, keine Sausage Kerbs mehr verbauen zulassen, da zu viele Unfälle auf Grund der hohen Kerbs sich ereignet hatten. Ausschlaggebend für dieses Umdenken war der Unfall von Alexander Peroni 2019 in der Formel 3 in Monza.
Der Australier wurde Ausgang der Parabolica-Kurve durch einen Sausage Kerb meterhoch in die Luft geschleudert und nur knapp von einem Bauzaun aufgefangen. Der damals 19-Jährige blieb bei diesem Horror-Crash unverletzt. Dennoch können physische Begrenzungen wie Sausage Kerbs nicht die Lösung sein, um das Problem in Spielberg zu lösen.
Andererseits kann der Status Quo nicht bleiben. Für Fahrer, Teams, und Fans ist die aktuelle Situation nicht zufriedenstellend. Fahrer motzen am Funk, Fans am TV verlieren den Überblick und Aston Martin legte Protest gegen das Rennergebnis ein. Alle Verantwortlichen müssen sich schnell zusammensetzten und nach einer sicheren und praktikablen Lösung suchen, welche gut für die Show ist. Die FIA hat bereits den Streckenbetreiber dazu aufgefordert im nächsten Jahr Kiesbetten im letzten Kurvenbereich zu installieren.
Lando Norris und das Update von McLaren
Lando Norris ist in einem bislang sehr enttäuschendem Jahr auf einen hervorragenden Platz fünf (bzw. Platz vier) gefahren. Dies hängt maßgeblich mit dem neuen Auto zusammen. McLaren hat das erste große Update der Saison in Spielberg präsentiert und es hat auf Anhieb ein gutes Ergebnis erzielt.
Zwar hat das Team aus Woking bereits in Baku einen Unterboden an das Auto montiert, dieses sei aber nur die Basis gewesen für die jetzt folgenden Perfomance-Upgrades.

Am Red Bull Ring wurden unter anderem die seitlichen Lufteinlässen, die Motorabdeckung und das aerodynamische Kühlsystem aktualisiert. Jedoch nur am McLaren von Lando Norris. Teamkollege Piastri musste das Rennwochenende mit der alten Spezifikation antreten. Und der Unterschied war spürbar. Während McLaren zu Beginn der Saison als rote Laterne unter den Teams galt, war Norris am Sonntag in Spielberg zeitweise ein Kandidat für einen möglichen Podiumsplatz und überrundete Teamkollege Piastri.
Betrachtet man die Race Pace, so war Norris mit einer durchschnittlichen Rundenzeit von 1:10.144 etwa zeitgleich wie die beiden Aston-Martin-Fahrer unterwegs. Perez, Leclerc und Sainz waren über das Rennen nur zweieinhalb Zehntelsekunden schneller pro Runde als Norris. Vergleicht man die McLaren Zeiten im Rennen in Kanada noch ohne Update, so fällt auf, dass Norris und Piastri pro Runde im Schnitt eine Sekunde langsamer waren als Fernando Alonso. Diese Zeitdifferenz gab es ebenfalls in Spielberg zwischen Lando Norris und Oscar Piastri. Der Australier, der noch ohne Update fuhr, war wesentlich langsamer als sein Teamkollege, obwohl die beiden McLaren-Fahrer im bisherigen Saisonverlauf immer gleichauf waren. Das Upgrade aus Woking scheint dementsprechend wohl zu funktionieren und bereits nächstes Wochenende in Silverstone kommt das zweite von drei geplanten Verbesserungen an das Auto.
„Lewis we know the car is bad. Please drive it!“
Wenn McLaren als der große Gewinner des Österreich GP gilt, muss Mercedes als Verlierer gewertet werden. Nachdem das Team in Spanien ein Doppelpodium feiern konnte und Hamilton zuletzt in Montreal einen dritten Platz einfuhr, konnte ein klarer Aufwärtstrend festgestellt werden. Beim Heimrennen von Toto Wolff musste er jedoch klare Worte gegenüber Lewis Hamilton am Teamfunk finden: „Lewis we know the car is bad. Please drive it!“. Der Brite moderte während des Rennens über das Auto. Denn dieses schien für Hamilton wieder mal unfahrbar. Wolff intervenierte und forderte Hamilton auf sich auf das Rennen zu konzentrieren. Nach dem Rennen lenkte der Mercedes-Teamchef ein und gab Hamilton recht: „Das Auto war einfach langsam“. Das große Problem nach dem eingeführten Update in Monaco ist nach wie vor, dass die Ingenieure den W14 nicht verstehen. Wolff bezeichnete das Auto nach dem Rennen als „Surprise Box“. Insgesamt hat der Dienstwagen von Russell und Hamilton zu wenig aerodynamischen Grip. Damit verbunden beginnt der Wagen früh anzurutschen und infolgedessen steigen die Reifentemperaturen.
Dennoch lässt das Team nicht den Kopf hängen und das aus zwei Gründen: Zum einen liegt die Vermutung nah, dass es ein streckenspezifisches Problem mit dem Set-Up des Wagens gab. Auf den bisherigen Strecken hat der Wagen besser performt als in Spielberg. Zum anderen bringt Mercedes zum Heimrennen der beiden Piloten nächstes Wochenende in Silverstone ein großes Updatepaket mit. Von diesem erhofft sich Toto Wolff viel und hat bereits beim Kanada-Wochenende angekündigt, Mercedes sei beim Großen Preis von Großbritannien am konkurrenzfähigsten.