„Home of British Motorsport“ und die Geburtsstunde der Formel 1

Kaum eine Rennstrecke ist mit so viel Historie aufgeladen, wie der Kurs im englischen Silverstone. 1950 wurde auf diesem Kurs das erste Rennen einer Formel-1-Weltmeisterschaft ausgetragen und seitdem gilt die Strecke als „Home of British Motorsport“. Im Corona-Jahr 2020 feierte die Formel 1 ihr 70-jähriges Bestehen mit einem speziellen Grand Prix auf dem geschichtsträchtigen Kurs. Doch wie kam es dazu, dass aus einem militärischem Flugplatz eine der bekanntesten Rennstrecke der Welt wurde. 

Die Notlösung nach dem zweiten Weltkrieg

Auch wenn man es zunächst annehmen könnte, aber das erste Formel-1-Rennen der Geschichte fand nicht in Silverstone statt. Um diesen Titel streiten sich mehrere Rennen und je nachdem, welche Publikation man liest, ist es ein anderes Rennen. 

In Silverstone fand nicht mal das erste Motorsportrennen in Großbritannien statt. In der Nähe von Weybrigde auf dem Brooklands-Kurs wurden seit 1907 Rennen in UK ausgetragen. Die 1897 gegründete britische Motorsportvereinigung „Royal Automobile Club“ (kurz: RAC) veranstalte auf dieser 4,21 km langen Strecke zudem den ersten Großen Preis von Großbritannien im Jahr 1926. Von 1935 bis 1939 wurde der Großbritannien Grand-Prix als inoffizielles Rennevent auch im Donington-Park ausgetragen. Zu diesem Zeitpunkt war in Silverstone nicht mal eine Rennstrecke, noch nicht mal der bekannte Militärflugplatz. Dieser wurde erst während des zweiten Weltkrieges für die englische Luftwaffe („Royal Air Force“) gebaut, um den steigenden Bedarf an militärischen Bombern decken zu können. Die Start- und Landebahn wurde 1943 fertiggestellt und ist bekannt unter dem Namen „RAF Silverstone“.


Aufnahme von Silverstone aus dem Jahr 1949. Auf der rechten Seite sieht man die bis heute namensgebenden Flugzeug-Hangars für die legendäre „Hangar-Straight“.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges 1945 wurde der Flugplatz jedoch nicht mehr von der Royal Air Force benötigt. Auf der anderen Seite waren die zwei großen Rennstrecken Großbritanniens nach dem Weltkrieg nicht mehr zum Rennen fahren geeignet. Der Brooklands-Kurs wurde zwischen 1939 und 1945 zu einem der wichtigsten Standorte der Flugzeugproduktion Großbritanniens umgebaut und der Donington-Park war in Folge des Krieges von Schutt und Asche zugemüllt. Um weiterhin in Großbritannien Formel-1-Rennen veranstalten zu können, ließ der RAC den ehemaligen Flugplatz mit Strohballen zu einem Grand-Prix-Kurs umbauen. Auf diese Idee ist der ehemalige Vorsitzende der RAC Francis Curzon gekommen, nachdem er und viele andere ortsansässige Rennfahrer den Flugplatz nach der Schließung 1946 zum Rennen fahren missbraucht hatten.

Das britische Luftwaffenministerium stimmte schlussendlich der Idee zu, sodass am 02. Oktober 1948 der Startschuss zum ersten Rennen in Silverstone fielen konnte. Schätzungsweise 100.000 Zuschauer verfolgten an der Strecke den Sieg von Maserati-Pilot Luigi Villoresi mit.

Das Streckenlayout, mit dem sich der RAC an das Luftwaffenministerium wendete, und die Idee präsentierte aus dem Flugplatz eine Rennstrecke machen zu können.

Auch wenn sich das damalige Layout im Vergleich zum heutigen natürlich stark unterscheidet, gibt es einige Passage, welche auch auf der aktuellen Silverstone-Strecke zu finden sind. Beispielsweise die Hangar-Straight, Copse Corner oder das Stück geradeaus vor der Abbey-Kurve, welches heutzutage als Start- und Zielgrade fungiert.

Die erste Weltmeisterschaft 1950 

Dass das erste Rennen einer Formel-1-Weltmeisterschaft in Silverstone stattgefunden hat, obwohl zuvor bereits dutzende F1-Rennen ausgetragen worden sind, hängt damit zusammen, dass es erst ab 1950 ein eindeutig definiertes Regelwerk von der „Association Internationale des Automobile Clubs Reconnus“ (der heutigen FIA) für die Grand-Prix gab. 

Das 325 km lange Rennen auf einem stark simplifizierten Silverstone-Kurs konnte der italienische Alfa-Romeo Fahrer Giuseppe „Nino“ Farina für sich entscheiden. Besonders bemerkenswert war dieses Rennen auch, weil es das Einzige in der Formel-1-Geschichte war, welches königlichen Besuch vor Ort hatte. Der damalige King George VI und Queen Elizabeth waren unter den 100.000 Besuchern an der Strecke. 

Home of British Motorsport

Seit dem ersten Rennen in Silverstone konnte die Erfolgsgeschichte dieses Circuits nicht mehr aufgehalten werden. Auch wenn von 1955 bis 1986 der Große Preis von Großbritannien zwischen Silverstone, Brands Hatch und Aintree rotierte, wollte jeder Fahrer einmal in Silverstone gewinnen. Und die Liste der legendären Fahrer, die in Silverstone gewonnen haben, ist lang: Ascari, Fangio, Clark, Stewart, Hunt, Prost, Senna, Schumacher oder Hamilton sind nur einige Beispiele. 

Seit 1987 ist der britische Grand Prix auch immer in Silverstone ausgetragen worden und bereits 2009 unterschrieb der ehemalige F1-Besitzer Bernie Ecclestone einen Vertrag mit den Streckenbetreibern bis 2026, damit Silverstone „Home of British Motorsport“ bleibt.

Ein Kommentar zu “„Home of British Motorsport“ und die Geburtsstunde der Formel 1

  1. Silverstone ist eine Strecke wo Geschichte geschrieben wurde weil es zum guten oder auch manchmal auch zum schlechten aber silberstone macht seine Namen alle Ehre 👍😀

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