Analyse des Großbritannien GP – McLaren unerwartet schnell

McLaren fährt beim Heim-GP einen grandiosen Platz zwei und vier ins Ziel. Oder um es in den Worten des zweiten großen Sportevents in England während des Wochenendes zu beschreiben: Das war ganz großes Tennis!

Bereits beim Österreich-GP überzeugte das Team aus Woking und in Silverstone knüpfte es nahtlos daran. Die Mannschaft rund um Zak Brown und Andrea Stella wirkte zu Beginn der Saison noch ziemlich blass. In Silverstone hingegen strahlte es wieder in Papaya-Orange beziehungsweise in Chrome-Farben. Doch wie kam es zu diesem Resultat?

McLaren nach Update in Silverstone zweite Kraft

McLaren konnte bereits nach ihrem ersten Update-Paket im Rennen in Österreich überraschen. Lando Norris beendete das Rennen in Spielberg auf Platz vier und das Rennen in Silverstone auf Platz zwei. Auch Teamkollege Oscar Piastri – dieses Wochenende erstmals mit den großen Updates am Auto unterwegs gewesen – sicherte sich Platz vier auf dem Traditionskurs. 

Bereits nach dem Start war zu erkennen, dass der McLaren gut funktionieren würde. Der auf Platz zwei startende Lando Norris konnte Pole-Setter Verstappen vor Kurve eins ausbeschleunigen und diese Position an der Spitze vor dem Niederländer verteidigen. Auch wenn Norris die Position in Runde fünf wieder hergeben musste, waren beide McLaren-Fahrer im ersten Stint auf gleichen Medium-Reifen wie der amtierende Weltmeister überraschend lang in der Lage die Pace mitzugehen.

In Runde 28, als Russell als erster aus der Spitzengruppe mit seinen weichen Reifen zur Box kam und bereits mehr als 50% der Renndistanz absolviert waren, betrug der Rückstand von Lando Norris auf Max Verstappen lediglich 7,5 Sekunden. Piastri war mit 2,6 Sekunden direkt hinter seinem Teamkollegen. Dahinter hat sich eine Lücke ergeben. Lewis Hamilton, welcher ebenfalls wie Verstappen und McLaren auf neuen gelben Reifen das Rennen begonnen hatte, lag 13 Sekunden hinter Norris. Alonsos Abstand auf den britischen McLaren-Fahrer betrug zu diesem Zeitpunkt des Rennens fast 20 Sekunden.

Eine Runde später in Lap 29 kam Piastri ebenfalls in die Box, um einen möglichen Undercut von Russell zu verteidigen und wechselte von Medium auf Hart. Mit diesem Reifen sollte der Australier planmäßig das Rennen auf Platz drei zu Ende fahren, bevor das VSC bzw. das Safety Car ab Runde 33 das Fahrerfeld nochmal durcheinander wirbelte. Verstappen, Norris und Hamilton waren die großen Profiteure von der VSC-Phase, da die drei Piloten einen freien Pitstop hatten. Russell und Piastri haben hingegen eine Position an Hamilton verloren. Genauso wie Sainz, der kurz vor der VSC-Phase an die Box kam, hat zwei Plätze gegen Hamilton und Alonso verloren. 

Das Mysterium um die harten Reifen

Pirelli hat bereits im Mai angekündigt ab dem Silverstone-Wochenende neue Pneus mitzubringen. Der Grund liegt vor allem darin, dass die aktuelle Fahrezuggeneration signifikant schneller ist, als Pirelli es im Vorhinein antizipiert hatte. Um einem möglichen Reifen-Desaster in Silverstone, wie es 2013 und 2020 der Fall war, entgegenzuwirken, brachte der Reifenlieferant der Formel 1 neue Reifen mit einer neuen Konstruktion mit, welche die höheren Belastungen standhalten soll. 

Besonders der härteste C1-Compound stand in der Kritik und galt als unfahrbar während des Wochenendes. Doch mit genau dieser Reifenmischungen haben beide McLaren-Fahrer den Schlusssprint nach der Safety-Car-Phase erfolgreich absolviert, obwohl Russell mit seinem 28 Runden langen Stint auf roten Reifen zeigte, dass dieser viel besser funktionieren sollte. Doch wie genau konnten Norris und Piastri auf harten Reifen sich gegen Hamilton auf weichen respektive Russell auf gelben Reifen zum Schlussphase behaupten?

Um diese Fragen beantworten zu können, muss man einen Blick auf die Simulationen aus dem zweiten freien Training werfen. Dort ist Oscar Piastri eine Rennsimulation über zehn Runden auf weichen Reifen gefahren, Norris hingegen auf der harten Gummimischung für acht Runden. Überraschender Weise funktionierte der härteste Compound bei McLaren besser und schneller als die weichste Mischung am Wochenende. Mehr noch, Norris war bei seiner Simulation auf dem C1-Reifen sogar schneller als Hamilton und Perez, die jeweils den weicheren C3-Reifen testeten. 

Dies erklärt jedoch noch nicht, warum Russell konkurrenzfähig auf dem eigentlich schnell einzubrechendem weichen Reifen 28 Rennrunden fahren konnte. Motorsport Director von Pirelli Mario Isola stellte nach dem Rennen fest, es liege an den vergleichsweisen niedrigen Temperaturen während des Rennens. Während es am Sonntag 32 Grad Celsius Streckentemperatur waren, fand das FP2 unter wärmeren Bedingungen statt. Über 37 Grad Celsius hatte die Strecke am Freitagnachmittag. Durch diesen Temperaturunterschied war George Russell überhaupt in der Lage den Reifen so lange während des Rennes zu fahren.

Schlussendlich wusste die Strategie Abteilung bei McLaren um diese Umstände Bescheid und ließ beide Fahrer den Schlusssprint nach dem Safety-Car auf dem harten Reifen fahren. McLaren-Boss Zak Brown beschrieb die Entscheidung zwar selbst als „nervenaufreibend“, am Ende konnte sich Norris stark gegen Hamilton durchsetzen und Piastri sich hervorragend gegen Russell verteidigen. 

Aktuell bremst das Team jedoch noch auf die Euphorie-Bremse, denn sie selbst wissen nicht, ob sich der Aufwärtstrend lange halten wird. Bei den nächsten zwei Rennen vor der Sommerpause in Budapest und im belgischen Spa-Francorchamps darf McLaren jedoch nicht mehr unterschätzt werden.

Aston Martin, Adieu Pace

Während Sebastian Vettel letztes Jahr in Silverstone mit Platz neun im Aston Martin zufrieden war, ist 2023 Platz sieben für Fernando Alonso und Platz 14 für Lance Stroll gemessen an den Ergebnissen zu Beginn des Jahres zu wenig. Über das ganze Wochenende hatte das in Silverstone beheimatete Team keine Chance, um vorne an der Spitze mitzukämpfen.

Während Alonso am Start eine Position gegen Albon und zumindest für einige Runden eine Position gegen Hamilton gewinnen konnte, ging es für Teamkollege Stroll nicht sonderlich nach vorne. Zudem hat der Kanadier – anders als Alonso – durch einen Stopp kurz vor der SC-Phase Zeit verloren und durch die Fünf-Sekunden-Strafe nach der Berührung mit Gasly fiel Stroll von Platz elf auf Position 14.

In den letzten Rennen fällt zumindest der Trend auf, dass Aston Martin auf permanenten Rennstrecken Probleme hat. Sei es in Spanien, Österreich oder zuletzt in Silverstone. Dabei gebe es nach Fernando Alonso keinen speziellen Grund, warum Aston Martin in Silverstone nicht konkurrenzfähig kämpfen konnte. Ähnlich sieht es Teamchef Mike Krack, der vor dem Silverstone-Wochenende betonte, der Aston Martin sei ein „Auto ohne Schwächen“. In keinem speziellen Bereich habe seiner Meinung nach das Auto Defizite. Vielmehr müsse das Team in allen Bereichen sich stetig verbessern, um den Anschluss an die anderen Team nicht zu verlieren. Alles im allem ein Wochenende, welches Teamchef Krack mit „Schadenbegrenzung“ zusammenfasst.  

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